From Berlin to New York

by Kram Johannes


Wenn jemand in Deutschland New York mit Berlin vergleicht, halte ich immer etwas die Luft an. Nicht, dass es da nicht einiges zu betrachten gäbe, aber der Zusammenhang beschränkt sich meist auf dieses affektierte  "This is sooo Berlin".  Eine Pose, ein Style, der sich an der  Reibung aus Kaputt & Glamour ergötzt. Oder an dem, was er dafür hält.

Immer wieder wird etwas zusammengebracht,  Sub- und Hochkultur etwa, oder,  authentisch, authentisch, schon wieder Currywurst mit Champagner. Das newyorkerische an Berlin soll ein permanenter Kulturenclash sein,  "da, wo es passiert"  eben, was auch immer das ist. Diese Big-Apple-Berliner merken gar nicht, wie sie  der Weltstadt Berlin eine Provinzsauce überkippen. Und zwar nicht durch die Currywurst, sondern, ganz im Gegenteil, durch deren Verklärung als  schräger Antipol. Gottseidank kann das New York Getue nicht den Charme der Stadt zerstören. Auch wenn fieberhaft daran gearbeitet wird. 

Die größte Fallhöhe zum Thema erlebe ich im Direktflug von Tegel nach JFK. Im Bordprogramm gibt es einen deutschen Dokumentarfilm über den Potsdamer Platz. Dieser, sei - so  erklärt der Film mehrmals - ja eigentlich eine ganz eigene Stadt , weil ..., ja weil es eben z.B. auch eine eigene Shopping-Mall dort gibt.

Schließlich kommt die Managerin zu Wort, die dafür zuständig, ist, den Potsdamer Platz zu vermarkten. Sie sinniert darüber, ob man nicht einen Künstler dazu bekommen könnte, das hier alles etwas noch spannender zu machen. Ihr fällt, wer auch sonst, Christo dazu ein, beziehungsweise nur Christo, im Zweifel aber gerne auch jemand Billigeres.

Das Image und die Weiterentwicklung  Berliner Sehenswürdigkeitsinstitutionen ist also Menschen anvertraut, die nicht nichts verstanden haben. Weder, dass Christo damals den Reichstag wollte und nicht umgekehrt, noch die Tatsache, dass man der Kunst, auch wenn man sie so plump kaufen möchte, zumindest die Chance geben sollte, als Idee für irgendwas gehalten zu werden.

Aber wozu braucht man einen Plan, wenn man eine Vision hat.

Die gute Frau weiss nämlich ganz genau, wo sie hin will mit dem Potsdamer Platz. "Internationaler" heißt das Zauberwort, aber damit meint sie offensichtlich nicht, dass es noch mehr Leute von überall geben soll, die auf diesem Platz herumlaufen. Sondern das, was diese Leute dabei im Kopf haben sollten: "So was wie den Times Square."

Mittlerweile bin ich in New York angekommen,  schreibe dies ungefähr 100 Meter entfernt vom Times Square. Es ist einer der wenigen Orte an denen ich immer noch staune wie ein Kind bei Toys R Us. Doch niemand, der hier schonmal gewesen ist, niemand kann das hier doch  ernsthaft irgendwie mit Berlin vergleichen.  Und erst recht nicht mit dem Potsdamer Platz.  Warum auch? Warum tun diese Leute Berlin das an? Warum tun wir in Berlin uns solche Leute an?

Transient