THE BEST MAN: Wahlkampf ohne Gore Vidal

by Kram Johannes


"The Best Man" ist ein Stück über Intrigen, Heuchelei und Moral vor dem Hintergrund eines fiktiven US-Nominiertenparteitages 1960. Es läuft diesen Sommer genau bis zu dem Zeitpunkt, an dem im richtigen Leben des Wahljahres 2012 Republikaner und Demokraten ihre Kandidaten küren. 

Es ist von einem der bedeutendsten amerikanischen Intellektuellen  geschrieben, einer der sich machtvoll in die Politik einmischte. Natürlich gerade auch in Wahlkämpfen.  

Und als würde ihr nicht schon genug irgendwie Bedeutung verheißendes anhaften, stirbt ihr Macher ausgerechnet während dieser Inszenierung. Wenige Wochen, bevor der amerikanische Wahlkampf offiziell los geht und am Broadway sein Wahlkampfstück "The Best Man" läuft, stirbt Gore Vidal.  

Was sagt uns dieses Stück, was sagt uns Gore Vidal über den Präsidentschaftswahlkampf 2012?

Draußen auf dem Broadway, kurz nach dem Parteitag der Republikaner und kurz vor dem der Demokraten, wird an den Souvenirständen rot-weiß-blauer Wahlkampfnippes verkauft, Tassen mit Obama, T-Shirts mit Romney. Einige Schritte weiter, drinnen im Theater ist alles genauso rot-weiß-blau, der Zuschauerraum ist als Parteitagshalle verkleidet, aber eben eine von 1960.

Dass das Stück auch zu dieser Zeit geschrieben ist, merkt man schnell, gut und böse sind sehr klar von einander getrennt, am Ende verzichtet der gute Kandidat zugunsten eines Dritten, nur damit der böse nicht Präsident nicht werden kann. Ein schönes, aus heutiger Sicht nostalgisches, aber waches, schnelles Stück. Sehr lustig, teilweise bissig, toll gespielt.

Nur eines hat es nicht: Irgendeinen Bezug zum Wahlkampf 2012. Sie spielen doch tatsächlich das Stück, wie es ist. Das muss man erst mal hinbekommen.  

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