THOMAS VON KLETTENBERG: "Echtheit ist eine Frage des Vertrauens"

by Kram Johannes


Zugegeben: Thomas Hackenberg und ich sind gute Freunde schon seit vielen Jahren. Und natürlich finde ich das, was meine Freunde machen, immer erstmal gut. Kritik gibt es - wenn überhaupt  - später, und wenn, dann nur auf ausdrücklichen Wunsch. Ich schreibe das vorab, weil viele Menschen wissen, dass und wie sehr uns Thomas und ich kennen und mögen.

Wir haben uns beide im Job kennen gelernt, das war 1998, das Jahr in dem ich mit Guildo im Rahmen unseres "Kreuzzuges des Zärtlichkeiten"  jedes Fernseh- und Radiostudio dieses Landes von innen gesehen habe.  Es war das Jahr von Birmingham, wir hatten uns das Privileg erarbeitet, in den Medien so ziemlich genau das tun und lassen zu können was wir wollten. Und da wir wussten, dass dies nur noch ein paar Monate so sein würde, haben wir dieses Privileg zu unserem Nutzen und Vergnügen (und meist auch zu dem der Zuschauer - und Hörer, wie man uns sagte)  ausgiebig genutzt. 

Ich gebe zu, dass ich es damals oft übertrieben habe. Viele Medienleute , mit denen ich in dieser Zeit zu tun hatte, sinnen heute noch auf Rache. Mit Thomas und mir wäre das auch fast so weit gekommen. Thomas war einer der Stars des Star-Radiosenders 1LIVE, er moderierte u.a. eine mehrstündige Call-In Sendung.

Wenn ich mich recht erinnere, gab es vor Birmingham eine Ausgabe  dieser Sendung mit Guildo als Gast, für die ich durchgesetzt hatte, dass der "Meister" während der ganzen Sendezeit Nussecken backt, die Zuhörer zum Live-Mitbacken aufgefordert wurden und es auch bei den Anrufen vornehmlich darum gehen sollte, von Guildo Tipps zum Gelingen des Backwerks zu erfragen.

Ich war ziemlich überzeugt, dass das super werden würde, die Redaktion nicht so ganz, aber wir haben es natürlich trotzdem gemacht.

Es hat funktioniert, wie es immer funktioniert hat, wenn Guildo die Grenzen eines Medienformates strapazieren und machen konnte, was er kann und wollte. Und trotzdem ist mir während der Sendung bewusst geworden, dass drei Stunden Radiobacken zwar wunderschöne Medienanarchie sein können aber auch so eine so eine Sache.  Eine verdammt lange Sache. Um es so zu sagen: Ich hatte mich zwar durchgesetzt, dass es aber keine überstrapazierende sondern eine wirklich saugute Sendung wurde, ging diesmal nicht nur auf Guildos Kappe, sondern zum Großteil auch auf die des Moderators.  

Wahrscheinlich hatte Thomas mich damals schon auf dem Kieker, ich war einer der Managertypen, die man wohl einfach hassen musste, alleine schon deshalb, weil ich bei der Vor- oder Nachbereitung einer Sendung die oft flehentlichen Bitte der Redaktion "Vertrauen sie doch einfach der Regie und dem Moderator" nicht so richtig an mich heran gelassen hatte. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich in diesen Jahren wirklich viele Regisseure und Moderatoren kennen gelernt hatte.

1Live war einer der "Medienpartner" unserer Grand-Prix-Kampagne und so wurde schon vor Birmingham vereinbart, dass der erste Auftritt danach in diesem Radiosender stattfinden sollte. Zum Zeitpunkt dieser Absprache konnte niemand ahnen, dass die ganze Sache solche Ausmaße annehmen sollten. Ich glaube, wir hätten Guildos Rückkehr nach Deutschland damals auch im Kölner Dom zelebrieren können und während des Rückfluges aus England ärgerte ich mich über den - aus deren Sicht genialen - Deal mit 1Live und ahnte, dass es nicht bei einem kurzen Radiotalk bleiben würde. So war es dann auch. 1Live nutze selbstverständlich diesen Exklusivauftritt zum grossen Medienevent. Ich wollte die ganz Sache möglichst klein halten und "klärte" mit der Senderleitung dass es wirklich nur ein kurzes Statement von Guildo geben würde und wir dann ganz schnell weg müssten. 

Was folgte, war eine meiner größten Niederlagen im Schatten unseren großen Triumphes. Sie bestand erstens daraus, dass der Moderator Thomas war und zweitens aus der Tatsache, dass Guildo durch das gemeinsame virtuelle Dauerbacken mit ihm gelernt hatte, diesem Moderator tatsächlich nicht nur sein Vertrauen zu schenken, sondern auch seine Zeit. 

Ich schäme mich ein bisschen, das zu sagen, aber ich habe mich tatsächlich dann auch noch bei der Sendeleitung über den wortbrüchigen Moderator beschwert, was natürlich dazu führte, dass meine Niederlage nicht nur bitter, sondern auch noch amtlich wurde.  

Nicht viel später sind Thomas und ich uns zufällig über den Weg gelaufen, "Ach Sie hier?", und haben dann, wie das in Köln so ist, ein Kölsch zusammen getrunken.  Über die Sache im Sender mussten wir nicht viel reden. Das Kennenlernen war eher Respekt und Neugierde. 

Warum ich das alles erzähle? Schon damals hat Thomas gemalt, spannende Sachen. Aber, die Bilder, die Bilder, die er zur Zeit macht, faszinieren mich. 

Natürlich finde ich das, was meine Freunde machen, erstmal gut. Aber das hier schreibe ich nicht wegen Thomas, sondern wegen möglichst vieler Menschen, von denen ich weiss, dass es ihnen gefallen wird.

Wenn er mal, nennt sich Thomas Hackenberg "Thomas von Klettenberg".

Seine nächste Ausstellung startet am 8. September im Trierer Schloss Monaise.

"Monaise mon Amour": Hier eine kleine Vorausschau und ein Interview aus seiner Pressearbeit. 

 

 

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